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Das hier ist eine Kurzgeschichte, ein Aufsatz den ich mal für die Schule schreiben musste... Er hat mir gefallen und da hab ich ihn abgetippt^^
Ein Spiel für die Stille
Das gleichmässige Tuckern des Motors beruhigte den Pianisten. Seine Hände fühlten sich kalt und schweissig an, die Finger umklammerten das Lenkrad. Der Lieferwagen holperte über den schlechten Schotterweg, Regen prasselte auf das Dach und die Scheiben. Die Scheibenwischer versuchten verzweifelt, gegen diese Wassermassen anzukommen. Zu allem Pech blieb der Wagen plötzlich mit einem Ruck stehen. Der Pianist drücke aufseufzend auf das Gaspedal, doch die Räder steckten im Schlamm fest und gruben sich nur noch tiefer hinein. So hatte es ja kommen müssen! Der Pianist, Elias mit Name, stieg aus dem Wagen. Der Regen hatte ein wenig nachgelassen, durchnässte aber trotzdem seinen Frack. Elias zog frierend seine Handschuhe über und öffnete die Türen des Lieferwagens. Im Transportraum stand, glänzend poliert, ein schwarzer Flügel. Seufzend sah sich der Pianist um und setzte sich, den Kopf in die Hände gestützt, auf die Kante der Ladefläche. Ein Dorf sollte nicht weit sein, wenn man der alten Landkarte Glauben schenken sollte. Da ertönten hinter der Biegung Hufgetrappel und Peitschenknallen. Auch das Rattern von Rädern war zu vernehmen. Pferde! Hastig stand Elias auf und hastete dem Pferdewagen entgegen, und stellte sich davor. „Ho!“, rief der Kutscher und die Pferde blieben schnaubend im Nieselregen stehen. „Was wollen sie?“, fragte er den Pianisten. Dieser verbeugte sich, wie nach einem Konzert und antwortete: „Tut mir Leid, mein Herr, aber ich bin mit meinem Wagen stecken geblieben. Und ich muss meinen Flügel unbedingt zur steilen Klippe bringen.“ Elias deutete auf den großen, leeren Milchwagen, den die Pferde zogen. „Dürfte ich mir den leihen?“ Der Kutscher zwirbelte sich nachdenklich seinen Schnurrbart, nickte aber dann. „Hm, ja, ich muss sowieso in das Dorf bei der Klippe. Milch holen. Ich könnte sie und ihren Flügel ein Stück weit mitnehmen.“ Dankbar lächelnd verbeugte sich der Pianist erneut. „Ich schulde ihnen meinen Dank. Kommen sie, mein Wagen steht nicht weit von hier, gleich hinter der Biegung.“ Nach langem Schieben und Ächzen stand der Flügel endlich gut angebunden auf dem Milchwagen. „Hü!“, rief der Bauer und ließ die Peitsche knallen. Der Regen hatte sich verzogen und nun begann die Sonne die Wolken zu vertreiben. Der Bauer begann ein lustiges Lied zu singen, währenddem er seine zwei stämmigen Zugpferde antrieb und sie neben Elias‘ Wagen vorbeilenkte. Elias schaute immerzu auf die Uhr. Es war 13.00 Uhr. Um Vier würde das Konzert beginnen, im besten Licht des Tages. Ob er das schaffen würde? Holpernd und ratternd fuhren sie gemütlich dahin. Schon bald ließ das gleichmässige Rattern und Wiegen des Wagens Elias einnicken. Nach zwei Stunden- Elias hatte fest geschlafen- hielt der Bauer den Wagen mit einem lauten „Brr!“ an. „Da wären wir mein Freund. Wohin muss denn ihr Klavier?“ „Mein Flügel“, korrigierte Elias und räusperte sich. „Der muss eine halbe Meile weiter, bis zum steilen Abgrund, genau hinter den Hügeln da.“ „Soll ich dich noch kurz hinbringen? Ich habe noch ein wenig Zeit und ein Umweg schadet ja nichts“, meinte der Bauer und lächelte freundlich. Der Pianist nickte, und lächelte ebenfalls. Welch ein Glück er hatte! So viel Freundlichkeit hatte er nicht erwartet. Nach kurzer Zeit hielt der Bauer wieder, zehn Meter vor der Klippe. „Da wären wir“, meinte er und blickte zur Sonne. Dann erhob er sich, sprang von dem Kutschbock und ließ die Rampe der Ladefläche runter. Elias sprang ebenfalls zu Boden, klopfte den kräftigen Freiberger- Pferde den Hals und stieg dann auf die Ladefläche zu seinem Flügel. Als der Bauer ihm beim Abladen half, fragte dieser: „Was wollen sie eigentlich hier oben mit einem Klav… eh… einem Flügel? Sie scheinen mir ein seltsamer Kauz zu sein.“ Elias lächelte nur und antwortete: „Sie mögen wohl Recht haben. Ich spiele für die Stille. Sie ist der aufmerksamste Zuhörer, den man sich wünschen kann.“ Der Bauer zog eine Augenbraue hoch, half dem seltsamen Pianisten aber dann den Flügel auf die Erde zu stellen. „Tausend Dank, der Herr!“, rief Elias winkend den davonfahrenden Bauern hinterehr, der, ohne sich umzudrehen, mit seinem schäbigen Hut winkte. So tat der Pianist die letzte Anstrengung und schob den Flügel der -zu gutem Glück- mit kleinen Rädern ausgestattet war, bis zum Abgrund. Dann holte er seinen Schemel und stellte ihn vor die Klaviatur. Glücklich darüber, den Aufstieg gemeistert zu haben, zog er seine Handschuhe aus und ließ sie einfach zu Boden fallen. Mit einem zufriedenen Aufseufzen ließ er sich auf den gepolsterten Schemel sinken und betrachtete das wunderbare Panorama. Unter ihm reihte sich Gipfel an Gipfel, Tal an Tal. Die Landschaft sah so aufgewühlt auf, so aufgeworfen, doch sie rührte sich keinen Millimeter, sie stand wie versteinert da und war total still. Welch ein beeindruckender Anblick das war! Majestätisch ragten die Berge dem orangen Licht des Spätnachmittags entgegen. Mit einem Lächeln auf den Lippen legte Elias seine Finger auf die kühlen Tasten aus Elfenbein, atmete ein letztes Mal tief durch und ließ den ersten Akkord erklingen. Weit hallten die ersten Terzen über die Landschaft. Elias Finger liessen eine liebliche, feine Melodie erklingen, sachte noch, als müssten seine Finger sich erst noch an die Tasten gewöhnen. Seine linke Hand folgte brav den Tönen, die er mit der Rechten vorgab. Immer dichter hintereinander setzte Elias nun seine Akkorde, Terzen, Sekunden und Oktaven, bis sie zu einem Sturm aus Tönen zerflossen, der aufwogte und wieder verklang, nur um wieder aufs neue anzuschwellen. Seine Finger flogen über die Klaviatur, drückten weisse sowie schwarze Tasten, liebkosten das kühle Elfenbein, liessen die Saiten schwingen. Die ‚Mondscheinsonate‘ erklang würdevoll über dem Gebirge, schmeckte wie ein schwerer Wein, erdrückend und doch beflügelnd. Beethovens 5. Klavierkonzert in Dis- Dur folgte sogleich, erklomm die Tonleitern, nur um wieder von ihnen herunterzufallen. Die Klänge berauschten Elias und liessen ihn Lebendiges aus Musik schaffen, liessen die Stille erklingen. Chopin, Mozart, Beethoven, Rachmaninov, wild durcheinander, von diesem ein Lied, von jenem einige Akkorde… Die Stimmen der Meister erklangen im Abendrot über den Gipfeln. Frech trällerten Elias‘ flinke Finger ‚Pour Elise‘, was die Berge zum Lachen zu bringen schien. Elias endete nach einem langen Konzert in drei kraftvollen Akkorden, G-, A-, und C- Dur. Danach saß er wie benommen da und lauschte der erneuten Stille. Langsam erhob er sich, ging nach vorne zum Abgrund und verbeugte sich lächelnd. Rot schimmerte der Himmel, als die Sonne sich hinter den Bergen versteckte und Elias der Stille lauschte. Der Stille, die vorher so wunderbar erklungen war.
Wolf
_________________ Through the gates of hell, as we make our way to heaven!
Zuletzt geändert von Wolf am Mi 6. Jan 2010, 16:31, insgesamt 1-mal geändert.
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